Ausgangslage
Fläche ist ein knappes Gut , um das unterschiedliche Nutzungen konkurrieren: Ebenso wie die Versorgung der Bevölkerung mit angemessenem Wohnraum zu sichern ist, sind für gewerbliche und infrastrukturelle Nutzungen ausreichend Flächen bereit zu stellen. Gleichzeitig sollen großräumige und vernetzte Freiräume erhalten und entwickelt werden: für Flora und Fauna, für die Erholung des Menschen, zum Erhalt von Boden, Wasser und Klima. Auch die landwirtschaftliche Nutzung hat in jüngster Zeit wieder an Bedeutung gewonnen.
Städte und Gemeinden stehen in einem Wettbewerb um Einwohner, Arbeitsplätze, Steuern und Zuweisungen, daher werden vielerorts neue Wohnbau- und Gewerbeflächen geplant und bebaut.
Gleichzeitig verlieren viele Regionen Einwohner, Industrie, Gewerbe und Militär, in der Folge werden Flächen aufgegeben. In wirtschaftlich prosperierenden Regionen werden besonders viele neue Flächen nachgefragt: für Ein- und Zweifamilienhäuser, für Freizeit und Erholung, für Straßen, für produzierende Unternehmen, Dienstleistungen und Handel. In Regionen, wo Flächen besonders knapp werden, weichen viele Bauwillige in das billigere Umland und in die ländlichen Kreise aus.
Die Statistik sagt einiges aus über den Flächen„verbrauch”: In den alten Bundesländern hat sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche in den vergangenen 40 Jahren fast verdoppelt. Täglich werden in der Bundesrepublik Deutschland etwa 100 Hektar Land für Siedlungs- und Verkehrszwecke neu in Anspruch genommen. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche beträgt derzeit im Bundesgebiet ca. 4,5 Mio. Hektar oder 12,5 % der Gesamtfläche, wobei es hier starke regionale Unterschiede gibt. Der Rückgang bei der täglichen Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland von 129 Hektar (1999) auf nunmehr etwa 100 Hektar wird vor allem auf konjunkturelle Einflüsse zurückgeführt.
Städte und Gemeinden stehen vor einem Bündel von Herausforderungen, die sich je nach Bevölkerungsdynamik, Lage im Raum und wirtschaftlicher Entwicklung unterscheiden können:
- wachsende Wohnflächenansprüche sowie eine steigende Zahl von Einpersonenhaushalten,
- Flächenansprüche großflächiger Handels- und Dienstleistungsbetriebe,
- gestiegene Mobilitätsbedürfnisse und Freizeitansprüche der modernen Gesellschaft, wachsende Verkehrsströme zwischen Kernstadt und Umland,
- rascher Nutzungswandel,
- disperse Siedlungsentwicklung: anhaltende Suburbanisierungsprozesse von Bevölkerung, produzierendem Gewerbe, Handel und zunehmend von Betrieben des tertiären Sektors,
- Einwohnerverluste, sozialräumliche Segregation, zurückgehende Steuereinnahmen in den Kernstädten bei gleichzeitig konstant hohen Kosten für den Erhalt von Infrastruktureinrichtungen,
- Probleme und Hemmnisse bei der Reaktivierung von Brachen, die parallel zum Baugeschehen „auf der grünen Wiese“ in vielen Kernstädten zu einer zunehmenden Dekonzentration führen.
Diese Entwicklungen können die Städte und Gemeinden unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen und mit dem zur Verfügung stehenden ordnungsrechtlichen, planerischen und ökonomischen Instrumentarium kaum steuern.
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrsfläche
Statistisches Bundesamt: Erhebung der Siedlungs- und Verkehrsfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung